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Bolze Carl

Carl Bolze

Carl Bolze

1832 Oberlanzendorf, Wien - 1913 München

 

Bolzes Vater erwarb in Oberlanzendorf bei Wien eine Ölmühle, die unter seiner Leitung einen bemerkenswerten Aufschwung nahm. Carl Bolze begann in der Jugend eine kaufmännische Lehre, und alles schien daraufhin zu weisen, dass er einmal die väterliche Fabrik übernehmen würde. Doch schon damals zeigte sich sein künstlerisches Talent. Sooft es seine Zeit erlaubte, sah man ihn zeichnen. Gewissenhaft füllte er zahlreiche Skizzenbücher.

Nach dem Tode der Eltern gab er seiner Neigung nach, verkaufte den gesamten Besitz und bezog um 1869 mit seiner Familie – er hatte am 7. August 1855 in Speyer Anna Rosina Theresia May aus Aschaffenburg geheiratet – im Münchner Künstlerviertel Schwabing eine Atelierwohnung in der Schellingstraße.

Bolze schloss sich der Münchner Künstlergenossenschaft an, trat aber in der Öffentlichkeit nicht hervor. Ein Studium an der Akademie lehnte er ab und versuchte im Selbststudium und kleinen Kollegenkreis seine Fertigkeiten auszubilden. Um 1870 fand Bolze in dem bayrischen Hofmaler Julius Lange und anschließend um 1871 in Josef Wopfner zwei Lehrer, die ihn als Privatschüler annahmen. Aus dieser Zeit existieren zwei fast identische Bilder Bolzes und Wopfners, die jeweils den Traunsee zeigen. Wopfner schenkte sein Bild später dem Schüler. Die Ausbildung bei Lange und Wopfner war zwar nur von kurzer Dauer, spiegelt sich jedoch in Bolzes Bildern – vor allem in der Betonung des Malerischen und der differenzierten Farbgebung.

Die 1870er und 1880er Jahre waren Bolzes produktivste Schaffensperiode. Seine Stimmungslandschaften zeigen zumeist Gegenden aus dem Oberland: Kochelsee, Starnberger See, Forchensee, Bad Tölz, Burghausen, Landsberg, Etzenhausen, das Inntal mit Oberaudorf, Kranzhorn, Ruine Falkenstein und Hechtsee in Tirol. Ab 1880 wurde der Chiemsee sein favorisierter Studienplatz. Unscheinbare Motive – wie bewachsene Seeufer, Waldwege, Moortümpel, Blumen am Wegrand, Gräser, kleine Waldstücke, Wolkenformationen – liebte Bolze besonders. Eine Reihe von Bildern malte er 1889 auf einer Reise nach Oberitalien, das ihn beeindruckt haben muss. In den späten 90er Jahren des 19. Jahrhunderts erkrankte er am Grauer Star, was ihn zwang, sein künstlerisches Schaffen stark einzuschränken. Schließlich konnte er nur noch Gegenstände malen, die sich nahe vor die Augen halten ließen: Pilze, Gräser oder Blumen. Diese Behinderung schränkte jedoch die Qualität seiner Bilder nicht ein. Sein bislang letztes bekanntes Ölbild entstand 1903. Später fertigte Bolze lediglich Aquarelle.

Auf Kunstausstellungen beteiligte sich der Künstler sporadisch, so z.B. 1874 an der Wiener Jahresausstellung, 1880 und 1882 an der Kunstausstellung in Hannover, 1888 an der Jubiläumsausstellung im Münchner Glaspalast („Chiemsee“) und 1902 an der Jahresausstellung im Glaspalast („Burghausen“). Es ist bekannt, dass das Museum in Breslau zu Lebzeiten Bolzes zwei Gemälde übernahm.

Die Städtische Galerie in München verwahrt im Depot die Bilder „Hohlweg bei München“ und „Ambach am Starnberger See“. Seit einigen Jahren besitzt die Bayerische Staatsgemäldesammlung die aus Privatbesitz stammenden Bilder „Bärenklau im Unterholz“ und „Landschaft unter Bäumen“.

Da Bolze finanziell ein sorgenfreies Leben führte, war er nicht auf den Verkauf seiner Bilder angewiesen. Die Anerkennung seiner Malkunst blieb ihm jedoch weithin versagt.

Erst 1984 entdeckte Hans Peter Defregger den Maler wieder (Biographie mit Werkverzeichnis). Dem folgte ein Jahr später eine Gedächtnisausstellung in der Bayerischen Landesbank in München.

 

Literatur:

Friedrich von Boetticher, Malerwerke des 19. Jahrhunderts. Bd. I, 1. Hofheim/Taunus 1979 (Nachdruck), S. 124. – Hans P. Defregger und Dr. Klaus Zeller, Carl Bolze (1832-1913). Ein unbekannter Maler der Münchner Schule. München 1984. –  Mus.-Kat. Neue Pinakothek München. Deutsche Künstler von Marées bis Slevogt. Bd. VIII/1, München 2003, S. 32.  – Thieme-Becker, Künstler-Lexikon = Allgemeines Lexikon von der Antike bis zur Gegenwart. Ulrich Thieme und Felix Becker (Hrsg.). Bd. IV, Leipzig 1910, S. 258.

 

Franz Gailer

Chiemsee

Chiemsee ⋅ 1883

Öl auf Leinwand ⋅ 33 x 57,5 cm

Prozession

Prozession

Öl auf Leinwand

Am Starnbergersee

Am Starnbergersee ⋅ 1881

Öl auf Leinwand ⋅ 34 x 46 cm

Der Inn mit Blick zum Kaisergebirge

Der Inn mit Blick zum Kaisergebirge

Öl auf Leinwand

Abend am Traunsee

Abend am Traunsee ⋅ 1874

Öl auf Holz ⋅ 14,5 x 21 cm

 

Gasse in Burghausen

Gasse in Burghausen ⋅ um 1885

Öl auf Leinwand auf Karton ⋅ 26 x 17,5 cm

 

Baumgruppe (Skizze)

Baumgruppe (Skizze) ⋅ 1883

Öl auf Leinwand ⋅ 27 x 40,7 cm

 

Bach mit Brücke

Bach mit Brücke ⋅ 1888

Öl auf Leinwand auf Hartfaser ⋅ 25,5 x 36,5 cm

 

Ufer am Gardasee

Ufer am Gardasee ⋅ um 1890

Öl auf Leinwand auf Karton ⋅ 26,5 x 36 cm

Literatur: Hans P. Defregger/Dr. Klaus Zeller, Carl Bolze 1832-1913, Ein unbekannter Maler der Münchner Schule, München 1984, WVZ 905, Abb. S. 86

   Badehütte am Starnberger See bei Ambach

Badehütte am Starnberger See bei Ambach ⋅ um 1880

Öl auf Leinwand auf Karton ⋅ 18 x 28 cm

Hochmoor

Hochmoor ⋅ 1886

Öl auf Leinwand auf Karton ⋅ 20 x 25,5 cm

Literatur: Hans P. Defregger/Dr. Klaus Zeller, Carl Bolze 1832-1913, Ein unbekannter Maler der Münchner Schule, München 1984, WVZ 860, Abb. S. 80