×

Dillis Johann Georg von

Johann Gerorg von Dillis

Johann Georg von Dillis

1759 Grüngiebing bei Wasserburg - 1841 München

 

Johann Georg von Dillis war das älteste von elf Kindern des kurfürstlichen Revierförsters Wolfgang Dillis. Da der Vater seinem Sohn aus finanziellen Gründen keine fundierte Ausbildung ermöglichen konnte, holte Kurfürst Maximilian III. Joseph den sechsjährigen Buben nach München und ließ ihn mit Unterstützung der Kabinettskasse unterrichten. Der Kurfürst wurde später sogar sein Firmpate.

Nach dem Tod seines Gönners am 30. September 1777 nahm Dillis ein Studium der Philosophie und Theologie an der Universität in Ingolstadt auf. 1782 erhielt er die Priesterweihe. In München begann er anschließend seine Ausbildung an der Zeichnungsakademie bei Franz Ignaz Oefele und Johann Jakob Dorner d. Ä. 1786 ließ sich Dillis von der Ausübung der Seelsorgepflicht entbinden. Um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, erteilte er Zeichenunterricht in Münchner Adelshäusern, so bei von Aretin, von Baumgarten, von Salern, von Seinsheim und von Stengel. Dillis machte die Bekanntschaft des Grafen von Rumford, der ihn tatkräftig förderte. 1788 begleitete er Carl Graf von Preysing und Kanzler Karl Albrecht von Vacchiery in die Schweiz, nach Straßburg und an den Oberrhein. 1790 ernannte ihn Kurfürst Karl Theodor zum Inspektor der kurfürstlichen Galerie im Hofgarten.

1791/92 regte ihn der Graf von Rumford zu Studienreisen ins Alpenvorland an, um Aquarell-Ansichten anzufertigen. Unter diesen Arbeiten ist die erste Ansicht vom Chiemsee. Dillis entdeckte damit die heimatliche Landschaft für die Malerei.

1794/95 unternahm er eine erste Italienreise auf Einladung von Sir Gilbert Elliot, dem Vizekönig von Korsika.

1796/97 flüchtete Dillis mit den gefährdeten Kunstschätzen der Hofgartengalerie vor Napoleons Armee. Nach einer Odyssee über Linz, Passau und Straubing brachte er alle 615 Gemälde heil zurück. 1800 drohte der kurfürstlichen Galerie erneut Gefahr durch die Franzosen. Wieder wurde Dillis mit der Rettung beauftragt. Ein Jahr harrte er mit den Bildern im damals preußischen Ansbach aus. 1803 beauftragte man ihn mit der undankbaren Aufgabe, aus den säkularisierten Klöstern wichtige Gemälde für den Staat auszuwählen.

1805/06 unternahm Dillis mit seinem Bruder Cantius (1779-1856), einem begabten Landschaftsmaler, eine weitere Italienreise. In Rom hielt er sich im Kreis um Angelica Kauffmann und Joseph Anton Koch auf. 1806 besichtigte er zusammen mit Kronprinz Ludwig in Paris den Louvre und die Sammlungen im Palais Luxembourg. Anschließend begleitete er den Kronprinzen nach Mailand, Nizza, bis zur spanischen Grenze und nach Berlin. Erst Anfang 1807 kehrte Dillis nach München zurück.

Die am 13. Mai 1808 in München ins Leben gerufene Akademie der bildenden Künste wählte ihn zum Professor für Landschaftsmalerei. Zudem wurde er Leiter der Handzeichnungensammlungen. Wenige Wochen später, am 8. Juni 1808, erhielt er den Verdienstorden der Bayerischen Krone und den persönlichen Adel.

1808/09 reiste er mit seinem Bruder Cantius zum Ankauf von Kunstwerken erneut nach Italien. In den folgenden Jahren wurde Dillis immer wieder mit der Beurteilung von Kunstwerken und gegebenenfalls mit deren Erwerb betraut. Da er sein Lehramt an der Akademie der vielen Reisen wegen nur unzureichend ausüben konnte, bat er 1814 um Entlassung. Der Kronprinz kam seiner Bitte nach und setzte als Nachfolger Wilhelm von Kobell ein.

1815 gelang es Dillis, 28 der von Napoleon entführten Gemälde (u. a. Albrecht Altdorfers „Alexanderschlacht“) aus Paris zurückzuholen und gleichzeitig beachtliche Neuerwerbungen u. a. von Murillo und Tizian zu tätigen.

1817 hielt er sich in Ruhpolding auf, wo sein Bruder Joseph (1775-1856) Salinenförster war. Dort suchte Dillis immer wieder Zuflucht, um sich von den Verpflichtungen als königlicher Kunstberater zu erholen.

Die Neuordnungen der Galerien in Aschaffenburg, Bamberg, Nürnberg und Würzburg nahm Dillis das ganze Jahr 1820 in Anspruch. Nach Christian von Mannlichs Tod wurde Dillis am 5. Januar 1822 zum Central-Galeriedirektor ernannt. 1825 schenkte Dillis sein bekanntestes Bild „Ansicht vom Tegernsee“ König Max I. Joseph zu dessen Namenstag.

Am 7. April 1826 erwirkte Dillis die Grundsteinlegung der alten Pinakothek. 1827 kam es nach 18-jährigen Verhandlungen endlich zum Ankauf der Sammlung altdeutscher Malerei der Brüder Boisserée aus Stuttgart. 1828 erwarb und übernahm er die fürstliche Wallersteinsche Sammlung.

1830 und 1832 begleitete er König Ludwig I. auf einer Erholungsreise nach Ischia. Am 16. Oktober 1836 erfolgte die feierliche Eröffnung der alten Pinakothek, deren Leitung als erster Direktor Dillis übernahm. Zwei Jahre nahm die Auswahl und Hängung der 1500 Bilder in Anspruch. Für seine Verdienste bekam er 1837 das Kommandeurkreuz des Civilverdienstordens der Bayerischen Krone.

Im Herbst 1837 reiste der nun 78-jährige ein letztes Mal nach Italien. Dazu stellte ihm der König den Hofreisewagen zur Verfügung. Zum 50-jährigen Dienstjubiläum am 2. April 1840 überreichte ihm der Monarch das Ehrenkreuz des Ludwigordens. 1841 starb Dillis infolge gänzlicher Entkräftung in München.

In seinen zu Lebzeiten nur dem engsten Freundeskreis bekannten Ölskizzen, die er leidenschaftlich sein ganzes Leben hindurch anfertigte, kam Dillis zu einer malerischen Landschaftsauffassung, die vieles von dem erst in späteren Jahrzehnten Erreichte vorwegnahm. Unabhängig von Aufträgen, frei von den Zwängen des offiziellen Kunstgeschmacks konnte sich Dillis ganz auf die Verwirklichung seiner Ideen konzentrieren. Speziell beschäftigte ihn der im Freien gesehene spontan auf Papier oder Leinwand festgehaltene Landschaftseindruck unter Einbeziehung von Atmosphäre, Lichtphänomenen, Farbvaleurs und Aufhellung der Schatten. Diese Arbeiten überraschen häufig durch ihre vorimpressionistischen Tendenzen.

Dillis zeichnerisches Werk wird auf über 10000 Blätter geschätzt, von denen sich allein 9000 im Münchner Stadtmuseum und 220 in der Staatlichen Graphischen Sammlung in München befinden. Dazu kommen noch rund 250 Ölbilder und Skizzen. Es erstaunt, wie Dillis in seinem ausgefüllten Leben ein derart umfangreiches Œuvre schaffen konnte.

Sein künstlerisches Werk markiert an der Schwelle vom 18. zum 19. Jahrhundert den Beginn der modernen naturalistischen Malerei in Deutschland. Zudem verdankt München viele seiner Schätze diesem verdienstvollen Museumsmann.

 

Literatur:

Ausst.-Kat. Staatliche Graphische Sammlung, München. Johann Georg von Dillis. München 1959/60. – Ausst.-Kat. Bayerische Vereinsbank und Stadtarchiv München. Johann Georg von Dillis. München 1989. – Ausst.-Kat. Staatliche Graphische Sammlung München. Volkstracht und Landschaft in Altbayern. München 1991/92.  Wolfgang Johannes Bekh, Die Münchner Maler. Von Jan Pollak bis Franz Marc. Pfaffenhofen/Ilm 1978, S. 80-96. – Heidi Ebertshäuser, Malerei im 19. Jahrhundert. Münchner Schule. München 1979. – Christoph Heilmann (Hrsg.), Johann Georg von Dillis. Landschaft und Menschenbild. München 1991. – Hans Heyn, Süddeutsche Malerei aus dem bayerischen Hochland. Rosenheim 1979, S. 54-55, 214-215. – Heinrich Höhn, Studien zur Entwicklung der Münchener Landschaftsmalerei. Strassburg 1909, S. 67-118. – Waldemar Lessing, Johann Georg von Dillis. München 1951. – Horst Ludwig, Bruckmanns Lexikon der Münchner Kunst. Münchner Maler im 19. Jahrhundert. Bd. 1, München 1981, S. 238-242. – Horst Ludwig, Von Adam bis Zügel. Bilder einer süddeutschen Privatsammlung. München 2001, S. 50-51. – Richard Messerer, Georg von Dillis – Leben und Werk. Historischer Verein von Oberbayern (Hrsg.). Bd. 48, München 1961. – Nagler, Künstler-Lexikon = Neues allgemeines Künstler-Lexicon. Bd. 3, München 1836, S. 406-407. – Rudolf Oldenbourg, Die Münchner Malerei im neunzehnten Jahrhundert. I. Teil. München 1922, S. 48-55. – Eugen Roth, Damals in Oberbayern. München 1970, S. 141-144. – Seubert, Künstler-Lexikon = Allgemeines Künstler-Lexicon. Bd. 1, Stuttgart 1878, S. 384. – Thieme-Becker, Künstler-Lexikon = Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Ulrich Thieme und Felix Becker (Hrsg.). Bd. IX., Leipzig 1913, S.295-299. – Siegfried Wichmann, Meister – Schüler – Themen. Münchner Landschaftsmaler im 19. Jahrhundert. Herrsching 1981.

 

Franz Gailer

Mädchenbildnis

Mädchenbildnis ⋅ 1791

Sepia-Pinsel, Bleistift ⋅ 18,8 x 14,2 cm

Poschingerwand

Poschingerwand

Aquarell ⋅ 40,5 x 29 cm

Oberbayerisches Dorf im Schnee

Oberbayerisches Dorf im Schnee ⋅ um 1800

Aquarell, Feder ⋅ 11,7 x 19 cm