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Fischer Eduard

Eduard Fischer

Eduard Fischer

1852 Berlin – 1904 im Chiemsee ertrunken

 

Maler leben in ihren Bildern fort, heißt es. In Wirklichkeit geraten sie jedoch oft in Vergessenheit, sobald ihre Arbeiten den Augen der Öffentlichkeit entzogen sind. So muß auch an den Maler Eduard Fischer erinnert und sein Werk ins Gedächtnis zurückgerufen werden.
Dieser Künstler ist nur wenigen bekannt, obwohl er zu jenen gehört, die am Chiemsee ihre künstlerische Heimat fanden. Es lebt niemand mehr, der ihn noch persönlich kannte. Seine schöne Villa am Gstadter Ufer existiert nicht mehr. Kein Friedhof nennt seinen Namen, und der künstlerische Nachlaß  ist weitgehend verstreut. Eine umfassende Ausstellung seiner Bilder gab es im süddeutschen Raum weder zu Lebzeiten des Künstlers noch danach.
Eduard Fischer wurde 1852 in der Metropole Berlin als Sohn wohlhabender Eltern geboren. Er verbrachte eine unbeschwerte und ereignisreiche Kindheit. Im weithin bekannten, von den Eltern geführten Künstlerlokal „Luther & Wegener“ kam der Jugendliche schon früh mit Berliner Künstlern in Kontakt. Wann immer es seine Zeit erlaubte, lauschte er den Gesprächen am Malerstammtisch und erlebte so mancherlei Schabernack. Sein Entschluß, Maler zu werden, mag auch durch diese geselligen Runden beeinflußt worden sein. Seine kunstsinnigen Eltern entsprachen diesem Wunsch und sagten dem Sohn jede mögliche Unterstützung zu.
Fischer ließ sich zunächst an der Berliner Akademie ausbilden und setzte anschließend sein Studium an der Kunstakademie in München fort. Mit 22 Jahren war ein fertig ausgebildeter Landschaftsmaler. Ab 1874 zeigte er seine Bilder in der Öffentlichkeit, vor allem auf den Ausstellungen der Berliner Akademie und den Großen Berliner Kunstausstellung. Seine Bilder waren auch im Kunstverein Kassel (1876) und auf der Hamburger Kunstausstellung von 1887 zu sehen. Fünf Gemälde wurden in den Bestand der Städtischen Kunstsammlungen von Ludwigshafen am Rhein übernommen: „Schiffslände“, „Gebirgsbach Klausen“, „Auf der Herreninsel“, „Weidenbusch/Ufer Gstadt“, Landestelle auf der Herreninsel mit grünem Kahn“.
In München machte Fischer die Bekanntschaft von Wilhelm Leibl, der dominierenden Gestalt der damaligen Münchner Kunstszene. Zum eigentlichen Leibl-Kreis gehörte Fischer jedoch nicht. Um Leibl finanziell zu unterstützen, ließ er sich von ihm malen. Dieses Bildnis – im Dreiviertelprofil nach links – entstand im Jahre 1875. Es ist eines von Leibls frühesten, altmeisterlich glatt gemalten Bildern. Fischer schenkte es seinen Eltern am Weihnachtsabend desselben Jahres. In den zwanziger Jahren mußte sich Frau Fischer von dem Bild trennen. 1926 gelangte es mit Unterstützung rheinischer Kunstfreunde in das Wallraf-Richartz-Museum in Köln.
Seßhaftigkeit gehörte nicht zu Fischers Tugenden. Von Fernweh getrieben ging er jedes Jahr auf Wanderschaft. Seine Landschaftsbilder berichten von den Gegenden, die er bevorzugt aufsuchte: die märkischen Seen und Wälder, die idyllischen Ufer der Havel, Spree, Mosel und des Starnberger Sees, die Landschaft um Dachau, ferner Holland und Italien – dort besonders die Lagunen von Venedig und Chioggia, aber auch den Gardasee und die Inseln Capri und Ischa – schließlich das Salzburger Land und Tirol.
1894 kam Fischer erstmals an den Chiemsee. Es war die Blütezeit der Inselkönige Karl Raupp und Josef Wopfner. Fischer war von der Schönheit und dem Zauber dieses Landstriches überwältigt. Dies war der Ort, an dem er sich niederlassen wollte. Er erwarb bei Gstadt ein Seegrundstück von 22000m² mit traumhaftem Chiemseepanorama und ließ sich eine stattliche Villa mit eigenem Turm und Balkonen auf jede Seite errichten. So konnte er den See ohne aufwendige Positionswechsel in alle Richtungen hin malen. Im Turm baute der begeisterte Hobbyastronom eine Sternwarte ein, die jedem Besucher Respekt einflößte. Doch damit nicht genug. Zu den Kuriositäten zählte eine im Garten stehende mächtige Kanone aus dem deutsch-französischen Krieg von 1870/71 und eine imposante Turmuhr, die zu jeder vollen Stunde schlug. Die Gstadter gewöhnten sich an, nach ihrem Glockenschlag die Zeit zu stellen. Da die Uhr aber nicht zuverlässig lief und – je nach Justierung – einmal eine Stunde vor oder nach ging, kam es, daß die Sonntagsmesse hin und wieder vor spärlichem Publikum abgehalten werden mußte, da Fischers Turmuhr noch nicht zum Kirchengang geschlagen hatte.
Eduard Fischer schuf sein Werk abseits der großen Kunstzentren. In den Chiemseelandschaften erfuhr es einen Höhepunkt. Es ist eine ferne, längst entrückte Welt, die sich in den Bildern auftut. In einer Zeit, in der Ungeduld und Richtungslosigkeit dem langsamen Zusammenwachsen eines Malers mit dem Sujet seines Herzen keinen Raum gewähren, sind diese Bilder fast Mahnung.
Fischer war kein Avantgardist. Seinem Naturell entsprach eine bewahrende, auf Tradition gründende Art, der Veränderung zuwider sind. Seine Arbeiten zeichnen sich durch eine wunderbare Einfachheit und Stille der Motive, des Bildaufbaus und der formalen Mittel aus. Auf manchen Bildern kündet ein einsames, weißes Segel in der Ferne von menschlicher Nähe. Vereinzelt setzte Fischer mit einer Staffage-Figur einen farbigen Akzent. Heiliger Friede und ein Hauch von Poesie herrscht in solchen Bildern. Unverkennbar ist seine Vorliebe für Abend- und Nachtstimmungen. Seltener malte er bezaubernde Winterbilder. Phasenweise sind in seinen Bildwelten dramatische Komponenten zu sehen – dunkle, bewölkte Himmel und galgenähnliche Baumstämme, die einen Zustand von innerer Zerrissenheit vermuten lassen. Ein schweres Augenleiden – der graue Star – war der Grund für seine, sich mitunter verfinsternde Palette.
Fischer malte sehr sorgfältig, ja geradezu überlegt und um eine exakte Durchzeichnung bemüht. Besonderes Augenmerk legte er auf die filigranen Verästelungen der Bäume und das Schilf, das er mit kurzen, vertikalen Strichen unnachahmlich wiedergab.
Stilistisch ist Fischer nur schwer einzuordnen. Er verband die Merkmale der naturalistischen Stimmungsmalerei mit Ansätzen des Frühimpressionismus. Das Ergebnis ist der Fischer-Stil von unverwechselbarer Eigenständigkeit. Es sind zwar Anregungen und Impulse, die er von der Lierschule und anderen empfing, in seinen Arbeiten zu erkennen, aber keines der Bilder, die zum Teil ohne Signum sind, könnte einem anderen zugeschrieben werden.
Eine besondere Eigenart Fischers soll noch erwähnt werden – die Wahl des extrem gestreckten Rechtecks als Bildformat. Dieses gestreckte Bildformat – auch „Münchner Handtuch“ genannt – kam Mitte des 19. Jahrhunderts als „Weitwinkelsicht“ neu auf und gilt unter Kennern, so es künstlerisch bewältigt wird, als bedeutsam und gesucht. Es weist als spezifische Merkmale einen niedrigen Horizont, sowie die Betonung der Fernsicht und des Himmelsraumes auf und verlangt eine exakte Ordnung von Vertikal- und Horizontalbewegung bis an den Horizont.
Zu Lebzeiten war Fischer kaum zu einem Verkauf seiner Bilder zu bewegen. Diese Eigenheit ist auch von anderen Künstlern überliefert. Das Malen war ihm einzig und allein ein Vergnügen und kein Broterwerb. Ein beachtliches Vermögen gestattete ihm diese Lebens- und Arbeitsweise.
Fischers Leben endete äußerst tragisch am 25. Juli 1904 – er ertrank in seinem geliebten See. Bei dem Versuch, seinem vom Wind weggetriebenen Ruderboot nachzuschwimmen, erlitt er einen Herzschlag und starb. Er wurde nur 51 Jahre alt.
Martha Fischer, geborene Döbbel (9. 1. 1856 – 8. 12. 1944), überlebte ihren Mann um mehr als vier Jahrzehnte und hielt in all den Jahren dem Chiemsee die Treue. Nach ihrem Tod wurden in der Villa Flüchtlinge einquartiert. In den Folgejahren kamen zahlreiche Stücke des wertvollen Inventars zum Verkauf. Auch Fischers künstlerischer Nachlaß – Hunderte von Gemälden, Skizzen und Zeichnungen – wurden veräußert und gelangten zum Teil auf recht abenteuerliche Weise in Umlauf. Im Frühjahr 1960 mußte die „Fischer-Villa“, wie sie genannt wurde, nach einem Besitzerwechsel einem moderneren Bau weichen.
Der herrlich gelegene Gstadter Friedhof, auf dem schon die Chiemseemaler Hermann Groeber, Albert Stagura und Willibald Demmel beigesetzt wurden, ist mit Sicherheit der legitime Ort für Fischers letzte Ruhestätte. Sein Grab auf dem Friedhof wurde mittlerweile jedoch eingeebnet. Bemühungen, die alte Grabstätte des Malers Eduard Fischer wiederherzustellen und den schöngestalteten Grabstein vom rechtmäßigen Besitzer zurückzuholen, dauern an. Es ist zu wünschen, daß dies bald gelänge, um die Erinnerung an den Künstler wachzuhalten.

 

Franz Gailer

Herbst

Herbst

Chiemseeplätte am Ufer

Chiemseeplätte am Ufer ⋅ 1894

Öl auf Leinwand auf Karton

Ruderboote am Ufer der Herreninsel

Ruderboote am Ufer der Herreninsel ⋅ 1894

Öl auf Leinwand auf Karton ⋅ 25,5 x 41,2

Am Ufer

Am Ufer

Öl auf Leinwand auf Karton

Abendstimmung am Chiemsee

Abendstimmung am Chiemsee

Öl auf Leinwand ⋅ 20,5 x 37 cm

Blick von Herrenchiemsee Richtung Gstadt

Blick von Herrenchiemsee Richtung Gstadt

Öl auf Leinwand ⋅ 40,5 x 100 cm

Sommertag am Chiemsee

Sommertag am Chiemsee

Öl auf Holz ⋅ 20 x 50 cm

Chiemseemorgen

Chiemseemorgen

Öl auf Karton ⋅ 18 x 28,5 cm

Gewitterstimmung am Chiemsee

Gewitterstimmung am Chiemsee

Öl auf Leinwand ⋅ 20,5 x 60 cm

Am Ganszipfel

Am Ganszipfel

Öl auf Leinwand ⋅ 47 x 120 cm

In der Lagune von Venedig

In der Lagune von Venedig

Öl auf Leinwand ⋅ 41 x 121 cm

Birken am Ufer

Birken am Ufer

Öl auf Karton ⋅ 24,5 x 59 cm

Herbst auf Frauenchiemsee

Herbst auf Herrenchiemsee ⋅ 1894

Öl auf Leinwand auf Karton ⋅ 33,5 x 56 cm

Chiemseefischer

Chiemseefischer

Öl auf Holz ⋅ 19,5 x 50 cm

Stiller Tag (Chiemsee)

Stiller Tag (Chiemsee)

Öl auf Leinwand ⋅ 20,5 x 60 cm

Uferpartie

Uferpartie

Öl auf Leinwand auf Karton ⋅ 33,5 x 50,5 cm

Abendlicht

Abendlicht ⋅ um 1890

Öl auf Leinwand ⋅ 13,5 x 26 cm