×

Groeschel Rudolf

Rudolf Groeschel

Rudolf Groeschel

1891 Meiningen - 1985 Fentbach bei Weyarn

 

Groeschel entstammte einer kunstsinnigen Familie: der Vater ein Hofbaumeister des Herzogs Georg von Sachsen-Meiningen, die Mutter eine Konzertsängerin. 1895 zog die Familie über Nürnberg nach München. 1908 begann Groeschel seine künstlerische Ausbildung bei Heinrich Knirr an der Städtischen Malschule in der Westenriederstraße und kam schließlich 1913 an die Münchner Kunstakademie zu Carl Johann Becker-Gundahl. Im selben Jahr unternahm er mit einem Studienkollegen eine Florenzreise. In jene Zeit fielen zwei Ausstellungen in der Münchner Galerie Heinemann, die ihn sehr beeindruckt haben: die eine von Karl Hagemeister und die andere von Barbizonmalern. Das Sommersemester 1914 brachte ihm eine Belobigung für seine Zeichnungen ein. Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs und seine damit verbundene Einberufung durchkreuzte Groeschels Vorhaben, in die Klasse Ludwig von Herterichs zu wechseln. Im ersten Kriegsjahr war Franz Marc vom Blauen Reiter sein Stubengefreiter im 1. Feldartillerieregiment. Im Morgengrauen des 24. Juli 1917 geriet Groeschel bei den Kämpfen an der Putna schwer verwundet in russische Gefangenschaft. Der Zufall wollte es, dass ein kleines Steinchen die aufgerissene Schlagader des zerschmetterten rechten Unterarms verstopfte und somit ein Verbluten verhinderte. Trotzdem schien eine Amputation unvermeidlich. Als der Arzt vernahm, dass der Patient ein Kunstmaler ist, organisierte er die Überweisung in ein französisches Privatlazarett und die Widerherstellung Groeschels glückte. 1918 floh er aus einem Gefangenlager an der Wolga und schlug sich auf abenteuerlichen Wegen bis nach München durch.

Groeschel setzte sein Studium bei Carl von Marr an der Münchner Akademie fort, sein Atelier lag in der Rambergstraße 3. Er trat der Münchner Künstlergenossenschaft bei und begann mit dem Ausstellen im Kunstverein. 1921 stellte er erstmals im Glaspalast aus („Februarmorgen am Chiemsee“).

Bereits vor dem Krieg hatte ihn sein Onkel, der bekannte Maler Carl Steinheil, zu sich nach Gollenshausen am Chiemsee eingeladen. 1919 erwarb er aus dessen Nachlass – Steinheil war 1917 gestorben - ein Seegrundstück zwischen Mitterndorf und Gollenshausen, das er mangels Barvermögen jedoch nicht bebauen konnte. Zunächst wohnte Groeschel noch im Haus seine Onkels und als dies verkauft wurde, baute er im Giebel des Lindlbauern in Lienzing bei Gollenshausen ein Atelier mit Küche und Schlafzimmer aus, das er von Frühjahr bis Herbst als Domizil nutzte. Das Lienzinger Moos, gleich hinter dem Haus gelegen, wurde einer seiner bevorzugten Malplätze, ebenso die Ufer zwischen Gstadt und Seebruck sowie die Fraueninsel.

1920 gründete Groeschel zusammen mit Hiasl Maier-Erding, Thomas Baumgartner und Constantin Gerhardinger die Künstlergemeinschaft „Die Frauenwörther“. Die jährlichen Ausstellungen fanden in der Torhalle zwischen 1921 und 1960 statt und wurden von Groeschel vielfach beschickt. 1922 löste Groeschel nach einer Meinungsverschiedenheit Gerhardinger als Juror ab.

Ende der zwanziger Jahre unternahm Groeschel wiederholt Reisen nach Italien, die jedoch ohne Einfluss auf sein künstlerisches Schaffen blieben. 1932 wechselte er in die Münchner Sezession. Nach dem Brand des Glaspalastes (1931) beteiligte sich Groeschel an den Ersatzausstellungen im Deutschen Museum (1933) und in der Neuen Pinakothek (1934-1937). Im Dritten Reich wurde er nur für die Ausstellungen im Maximilianeum (1938-1943) für würdig befunden. Des weiteren zeigte er seine Bilder bei dem Künstlerbund „Isar“ und der „Ständigen Kunstausstellung“ der Münchner Künstlergenossenschaft. Um den Kontakt zum Figürlichen nicht ganz zu verlieren, malte er neben Landschaften immer wieder Bauernkinder. Eine dieser Arbeiten kaufte 1934 der Staat Bayern.

Mehrere Gründe führten dazu, dass sich Groeschel 1937 vom Chiemsee zurückzog und im hügeligen Mangfalltal niederließ: es gab Unstimmigkeiten mit Ausstellern der Künstlergemeinschaft „Die Frauenwörther“, man verweigerte ihm die Baugenehmigung für sein Seegrundstück und schließlich wurde das Chiemseeufer zunehmend verbaut. Sein Tuskulum fand er in Fentbach bei Weyarn: einen ehemaligen Zehentstadel, den er für seine Zwecke ausbaute. Nach der Zerstörung seines Münchner Ateliers im Jahr 1944 übersiedelte er ganz nach Fentbach. 1946 trat er der neu gegründeten Münchner Sezession bei und beschickte bis 1986 alljährlich die großen Münchener Kunstausstellungen im Haus der Kunst.

Groeschels Spätwerk entstand vor der Haustüre, in seinem wildromantischen Garten in Fentbach und am Seehamer See. Ihn lockten nicht die großen Ansichten, vielmehr zeigte er die paradiesische Natur an verborgenen Stellen im verschiedenen Licht der Tages- und Jahreszeiten: eine Kiesgrube mit Königskerzen, ein Seeufer mit Weidengebüsch, einen Moosgraben, einen Waldrand, einen Wiesengrund. Und immer wieder malte er Motive aus seinem Garten: Rittersporn, Nachtkerzen und Schierlingskraut, den Teich mit den Schleien, die gewaltige Linde, den Blick auf das Haus, die Loggia und das Nachbaranwesen. Groeschels Handschrift hat sich in sechs Jahrzehnten kaum verändert. Grün war seine lebenslange Farbe, deren ganzes Spektrum er ausschöpft und die seine Bilder unverwechselbar werden ließen. Der Maler der grünen Landschaft – sagt man und übersieht, dass er selbst in seinen grünsten Bildern immer auch mit einer breiten Skala von Braun, Ocker, Grau, Blau und auch Gelbnuancen operierte. Als Pleinairist verzichtete er auf die Bleistiftvorzeichnung und malte mit kräftigen, zügigen Pinselstrichen am liebsten bei bedecktem Himmel, wenn das Grün in der Natur die meisten Varianten hat. „Kunst ist Sache des Fühlens, des Empfindens“¹, lautete seine Maxime. Zum Gesamtkunstwerk trägt die so genannte „Groeschel-Leiste“ bei, ein schlankes, mit Weißgold belegtes Profil, die Groeschel zu allen Bildern selbst fertigte.

1963 und 1977 veranstaltete die Städtische Galerie Rosenheim eine Ausstellung seiner Arbeiten. 1976 erschien im Eigenverlag eine kleine Autobiographie mit dem Titel „Liebe zur deutschen Landschaft“. 1981 stellte Groeschel zusammen mit Arnold Balwé, Willibald Demmel und Paul Paulus in der Torhalle Frauenchiemsee aus. Im gleichen Jahr zeigte er eine kleine Kollektion seiner Landschaften in der Spielbank Bad Wiessee. 1987 präsentierte der Kunstverein Bad Aibling, dessen Ehrenmitglied Groeschel war, eine Gedächtnisausstellung im Maxlrainer Hof. 1992 erwarb der Landkreis Rosenheim den künstlerischen Nachlass des Malers - 84 Gemälde und Studien. Diese Bilder wurden 1996 in der Galerie Markt Bruckmühl und anschließend im Schloss Hartmannsberg gezeigt. Parallel dazu zeigte die Gemeinde Gstadt im Haus des Gastes eine Ausstellung überwiegend mit Arbeiten der Chiemseer Jahre. Bilder von Groeschel befinden sich in den Städtischen Galerien München und Rosenheim sowie im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen am Rhein.

 

Anmerkungen:

¹   W. Rudolf Groeschel, Liebe zur deutschen Landschaft. Fentbach 1976, S. 14.

 

Literatur:

Ausst.-Kat. Städtische Galerie Rosenheim. W. Rudolf Groeschel. „Liebe zur deutschen Landschaft“. Rosenheim 1979. – Ausst.-Kat. Torhalle Frauenchiemsee. Ein Jahrhundert Chiemseemalerei (1830-1930). Frauenchiemsee 1979. – Ausst.-Kat. Torhalle Frauenchiemsee. Die Frauenwörther. Gründungszeit 1920-1925. Frauenchiemsee 1980, S. 19, 57. – Ausst.-Kat. Torhalle Frauenchiemsee. Gemäldeausstellung Arnold Balwé, Willibald Demmel, W. Rudolf Groeschel, Paul Paulus. Frauenchiemsee 1981. – Ausst.-Kat. Galerie Gailer. 100 Jahre Aiblinger Maler. Retrospektive 1870-1970. Bad Aibling 1982, S. 15-19. – Ausst.-Kat. Galerie Gailer. 24. Grosse Aiblinger Kunstausstellung. Sonderausstellung Rudolf Groeschel. Bad Aibling 1989, S. 6-13. – Ausst.-Kat. Städtische Galerie Rosenheim. Kunstverein Rosenheim 1904-1994. Rosenheim 1994, S. 60-62. – Fritz Aigner und Josef Bernrieder, Mit den Malern durch den Landkreis Rosenheim. Landratsamt Rosenheim (Hrsg.), Rosenheim 1989, S. 314-315, 439. – W. Rudolf Groeschel, Liebe zur deutschen Landschaft. Fentbach bei Weyarn, 1976. – W. Rudolf Groeschel, Erinnerungen. Unveröffentlichtes Manuskript. Fentbach, o. J. – Hans Heyn, Süddeutsche Malerei aus dem bayerischen Hochland. Rosenheim 1979, S. 156-157, 221. – Hans Kießling, Malerei heute. Münchner Kunstszene 1953-1978. München 1978, S. 88-89. – Horst Ludwig, Bruckmanns Lexikon der Münchner Kunst. Münchner Maler im 19./20. Jahrhundert. Bd. 5. München 1993, S. 322-323. – Hans Vollmer = Künstler-Lexikon. Allgemeines Lexikon der bildenden Künstler des XX. Jahrhunderts. Hans Vollmer (Hrsg.). Bd. 2. Leipzig 1953, S. 314.

 

Franz Gailer

Aushiflsmodell

Aushilfsmodell ⋅ 1968

Öl auf Leinwand ⋅ 80 x 65 cm

Wetterwendisch

Wetterwendisch ⋅ 1974

Öl auf Leinwand ⋅ 65 x 95 cm

Stillleben mit Holzschale

Stillleben mit Holzschale ⋅ 1977

Öl auf Leinwand ⋅ 65 x 80 cm

Die Loggia

Die Loggia ⋅ 1968

Öl auf Leinwand ⋅ 65 x 80 cm

Winter im Groeschel-Garten in Fentbach

Winter im Groeschel-Garten in Fentbach ⋅ 1973

Öl auf Leinwand auf Sperrholz ⋅ 20 x 30 cm*