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Roloff Paul

Paul Roloff

Paul Roloff

1887 Gut Jerchel in der Altmark – 1951 Prien am Chiemsee

 

„Ich höre, Du willst Maler werden – gut – zeichne mich!“ – diese Aufforderung seines Vaters steht am Anfang des schaffensreichen Künstlerlebens von Paul Roloff.

Als jüngstes von fünf Kindern des Kaufmanns Adolf Roloff (1827-1905) und seiner zweiten Frau Elisabeth (1840-1883) wird Paul Roloff am 26. Januar 1877 auf dem Gut Jerchel/Kreis Stendal in der Altmark geboren. Nach dem Tod der Mutter übersiedelt die Familie nach Wernigerode. Adolf Roloff ehelicht die Cousine seiner verstorbenen Frau, die den Kindern eine liebevolle Mutter wird. Im Elternhaus herrscht ein offener und hilfsbereiter Umgang, der vom evangelischen Glauben geprägt ist; man musiziert gerne und ist den schönen Künsten gegenüber aufgeschlossen.

Nach dem Abitur schreibt sich Paul Roloff 1898 an der Hochschule zu München für Architektur ein, obwohl er seinem eigenen Wunsch nach lieber Malerei studieren würde; es ist ein Kompromiß zwischen ihm und seinem Vater, der in einem freien Künstlerleben nicht allzuviel materielle Chancen sieht. Als sich Paul Roloffs Lehrer Professor Friedrich Thiersch, der Erbauer des Münchner Justizpalastes, dann persönlich bei dem widerstrebenden Vater für das Malereistudium einsetzt, will dieser sich mit den oben zitierten Worten von der Begabung seines Sohnes überzeugen. Die Zeichnung „Mein Vater“ tut dem Genüge, und so kann sich Paul Roloff im November 1898 an der „Königlich Bayerischen Akademie der Bildenden Künste“ in München immatrikulieren. Seine Lehrer sind unter anderen Karl Raupp, Moritz Weinholdt, Ludwig Schmid-Reutte, sowie Franz von Stuck. Für ein Semester studiert Roloff auch an der „Großherzoglichen Kunstschule in Carlsruhe“. Von seinem dortigen Lehrer Friedrich Fehr erzählt Roloff später: „Bei ihm habe ich das Sehen gelernt“.

Aus Karlsruhe zurückgekehrt, macht Roloff München zu seiner Wahlheimat. Für ihn ist es selbstverständlich, deshalb auch hier seiner Wehrpflicht nachzukommen; ab Herbst 1902 ist er sogenannter Einjähriger bei dem „Königlich Bayerischen 1. Feldartillerieregiment Prinz Luitpold“.

Nach Beendigung des Studiums stellt Roloffs Vater die großzügigen Monatswechsel ein; er will, daß sein Sohn möglichst schnell finanziell unabhängig wird. Dieser stürzt sich in die Arbeit, und noch vor dem Militärdienst entsteht sein gesamtes druckgraphisches Werk. Einige Landschaftsvignetten werden im „Simplicissimus“ veröffentlicht, die meisten Arbeiten aber entstehen für das satirische Blatt „Der Affenspiegel“. Ganz im Gegensatz zu seinen frühen Zeichnungen und seinen ersten Ölgemälden zeigen die graphischen Blätter Roloffs einen unglaublich ausgereiften und eigenen Stil; sie können sich technisch mit den Graphiken der besten deutschen Zeichner messen. Anregungen erhielt Roloff von französischen und englischen Lithographen und von den durch sie beeinflußten Mitarbeitern des gesellschaftlichen Leben; von den politischen und sozialkritischen Ambitionen der Redaktion distanziert sich Roloff entsprechend seiner großbürgerlichen Herkunft und seiner persönlichen Einstellung zu Gesellschaft, Politik und Militär.

Als Roloffs Vater sieht, daß sein Sohn finanziell zurechtkommt, überrascht er ihn mit der Auszahlung des mütterlichen Erbes. Paul Roloff, der sich zeitlebens für technische Neuerungen begeisterte, kauft sich von dem Geld ein Automobil – zu seiner Zeit als das Benzin noch in der Apotheke gekauft wurde.

 

1905 bezieht Roloff mit dem Zeichner Erich Wilke und dem Bildhauer Ulfert Janssen ein Atelier in der Hohenzollernstraße. Es wird zum Treffpunkt eines großen Freundes- und Künstlerkreises, zu dem u.a. Paul Bonatz, Wilhelm Koeppen, Rudolf Wilke, Julius Hess, Rudolf Hause, Rudolf Esterer und Adelbert Niemeyer gehören.

In den ersten Jahren nach dem Studium widmet sich Roloff hauptsächlich der Porträt- und Landschaftsmalerei. Doch schon bald tritt ein neues Bildmotiv in den Vordergrund: der Akt. Bis 1914 wird er in immer neuen Varianten von Roloff dargestellt. Seine Aktgemälde unterscheiden sich im wesentlichen in zwei Punkten von denen seiner Zeitgenossen: Das Interieur spielt eine kompositorisch und motivisch nicht unwichtige Rolle und die Dargestellten – fast ausschließlich jugendliche Frauengestalten – treten mit ungewohnter Selbstverständlichkeit und Ungeniertheit auf – sie wollen und sollen nicht provozieren. Roloff schickt diese Bilder besonders häufig auf Ausstellungen; durch sie wird er beim Publikum und bei den Kritikern bekannt.

Roloff macht aber auch mit seinen religiösen Gemälden auf sich aufmerksam. Christliche Themen dienten ihm schon 1907 für seinen ersten großen Auftrag – die Ausmalung einer Villa – als Bildvorlage. Spätere Bilder behandeln oft die Kreuzigung Christi. Daß gerade unter den religiösen Gemälden die expressivsten zu finden sind, erstaunt; noch mehr aber die Verknüpfung mit weiblichen Aktdarstellungen; dies bringt Roloff nicht nur Lob, sondern auch scharfe Kritik ein.

1907 heiratet Roloff die Norwegerin Aagot Lindeman (1885-1978); die Töchter Berit, Anna und Elisabeth kommen 1908, 1912 und 1915 zur Welt. Die Jahre bis 1914 sind geprägt von zahlreichen Reisen, wie etwa 1910 und 1913 nach Norwegen und Dänemark, und vom harmonischen Familien leben. Dem setzt der Ausbruch des Ersten Weltkrieges ein jähes Ende.

Roloff wird als Vizewachtmeister an die Westfront eingezogen. In den Kriegsjahren entstehen nur einige Studien und Skizzen, meist Landschaften und Dorfansichten, in einer recht eigenwilligen Blei- und Buntstifttechnik. 1918 wird Roloff nordöstlich von Paris schwer verletzt, daß er das Kriegsende im Lazarett erlebt. Kaum heimgekehrt – die Familie war nach Beschlagnahmung der Münchner Wohnung nach Törwang am Samerberg/Oberbayern gezogen – muß er den Tod seiner ältesten Tochter miterleben.

Für Roloff beginnt eine schwere Zeit, in der er sich wegen der schlechten Wirtschaftlichen Lage im Land gezwungen sieht, seinen Beruf als Kunstmaler aufzugeben. Er entschließt sich, Bauer zu werden und kauft den Hof Auch bei Prutting. Er erkennt jedoch bald, daß er seiner wahren Berufung folgen muß und erwirbt 1921 in Stock bei Prien am Chiemsee ein Haus. Der dringend notwendige Umbau und die Inflation verschlingen die letzten Reserven, aber Roloff kann sich nach guten sechs Jahren Pause endlich wieder der Malerei widmen. Wie früher beschickt er die Ausstellungen der Münchner Sezession, dessen ordentliches Mitglied er 1911 geworden war. Um auch regional ausstellen zu können, schließt er sich dem neugegründeten Chiemgauer Künstlerbund an, doch bald wird ihm und seinen gleichgesinnten Freunden klar, daß die bunt zusammengewürfelten Bilderschauen auf der Herreninsel dem Einzelnen nicht genügend Platz lassen sich darzustellen. So gründet er mit Bernhard Klinckerfuß, Karl Hermann Müller-Samerberg, Emil Thoma, Paula von Goeschen-Roesler und Friedrich Lommel die Künstlergemeinschaft „Freie Vereinigung Chiemgauer Künstler“ genannt „Welle“. Bis zum Abriß ihres Ausstellungspavillons in Stock am Chiemsee 1933 behalten die „Welle“ –Ausstellungen trotz der schwierigen Zeit ihre hohe Qualität und werden zumeist von den Kritikern gelobt. Der Einladung zu einer Gastausstellung folgen unter anderem so namhafte Künstler wie Max Slevogt, Karl Hagemeister und Hans Otto Schönleber.

Ab 1923 erhält Roloff zunehmend Aufträge aus Norddeutschland und der Gegend um Bielefeld. Es handelt sich hauptsächlich um Porträts und Ausmalungen repräsentativer Räume. Von den letzteren dürften die Arbeiten für den Pavillon der Münchner Illustrierten auf der Internationalen Presseausstellung „Pressa“ in Köln, das Jagdschloß in Ahrensberg/Mecklenburg, beide 1928, und die zwei Gartenpavillons von Schloß Herrenhausen bei Hannover, 1938/1939, die interessantesten gewesen sein. Entsprechend den Räumlichkeiten handelt es sich häufig um Tanz-. Jagd- oder Gartenszenen, manchmal in die Zeit des Rokoko versetzt. Diese Arbeiten gehen Roloff verhältnismäßig leicht von der Hand; er hat zumeist großen künstlerischen Spielraum und kann aus seiner reichen Phantasie schöpfen. Wesentlich schwerer fällt ihm die Porträtmalerei. Sie verlangt von ihm höchste Konzentration, und so schreibt er einmal über einen noch nicht genau definierten Auftrag: „Hoffentlich nicht nur Porträts, denn das ist eine große Plage.“ Ähnlichkeit ist für ihn nur die Grundvoraussetzung für ein gutes Porträt. Wichtig ist ihm, das Wesen und die Ausstrahlung des Dargestellten einzufangen. Ein Kritiker beurteilt das Ergebnis folgendermaßen: „[Roloff] vermag das Individuelle zu erfassen und das Erfaßte typisch und mit geistreicher Art vorzutragen.“

Die Wirtschaftskrise 1929 bringt viele Auftraggeber Roloffs in Bedrängnis und führt zur Stornierung von Aufträgen. Erst Mitte der 30er Jahre gibt es wieder mehr bezahlte Arbeit. Ein großer Erfolg ist die Ausstellung 1937 anläßlich seines 60. Geburtstages zusammen mit Hans Reinhold Lichtenberger und Gabriele Münter im Münchner Kunstverein; die anstehende Ernennung zum Titularprofessor wird aber bis 1939 hinausgeschoben. Die Kriegsjahre sind künstlerisch schwierig. Roloff hat Probleme mit den Ausstellungen, weil er nicht Mitglied der NSDAP ist und bekommt kaum Aufträge, die ihm Freude machen. Oft handelt es sich um Porträts nach Fotos von Gefallenen. Diese Bilder werden dann manchmal für eine Ausstellung angenommen – hauptsächlich wegen der Uniform. Nach Kriegsende wird die Situation kaum besser. Vor der Währungsreform erhält Roloff noch ein paar Porträtaufträge, aber Farben sind kaum mehr zu bekommen, und das Geld ist nichts wert. Zuletzt ist Roloff so herzkrank, daß ihn die Arbeit übermäßig anstrengt. Auch seine Kriegsverletzung macht ihm immer wieder zu schaffen. Am 29. Mau 1951 stirbt Paul Roloff in Prien am Chiemsse.

 

Dr. Gabriele Waldmann

Schöllkopf am Chiemsee

Schöllkopf am Chiemsee ⋅ 1914

Öl auf Leinwand ⋅ 61 x 51 cm

Sonnige Winterlandschaft am Chiemsee

Sonnige Winterlandschaft am Chiemsee

Öl auf Leinwand ⋅ 60,5 x 70,5 cm

Bücherwürmchen I

Bücherwürmchen I ⋅ 1909

Öl auf Leinwand ⋅ 100 x 85 cm

Blick auf Frauenchiemsee

Blick auf Frauenchiemsee

Öl auf Leinwand ⋅ 35 x 40 cm

Blick über den Simssee

Blick über den Simssee ⋅ 1910

Öl auf Leinwand ⋅ 51 x 61 cm

Blick ins Aschauer Tal

Blick ins Aschauer Tal ⋅ 1934

Öl auf Leinwand ⋅ 60 x 70 cm*

Rimsting am Chiemsee

Rimsting am Chiemsee

Öl auf Leinwand ⋅ 60 x 70 cm