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Urban Hermann

Hermann Urban

Hermann Urban

1866 New Orleans, USA - 1948 Bad Aibling

 

Der bedeutende Landschaftsmaler wurde 1866 geboren und mit Erstaunen vernimmt man den Geburtsort, New Orleans. Es war die Heimat seiner französisch-stammigen Mutter Alice Fleury, die in jungen Jahren eine weltweite Karriere als Opernsängerin gestartet hatte. Mit 20 Jahren hatte sie den bayerischen Arzt und Zahnarzt Dr. Hermann Urban geheiratet, was aber kein Karriereende darstellte. Als der Sohn ein Jahr alt war, kehrte die junge Familie den USA den Rücken. Bad Aibling, die Heimat von Dr. Urban, erschien als Wohnort erstrebenswerter.

 

Hier im Hause der Großeltern, in der Sonnenstraße, lebten die Urbans die nächsten 18 Jahre. Hier verbrachte Hermann seine Kindheit und Jugend. Hier passte die Großmutter auf ihn und seine Schwester Cäcilie auf, wenn die berühmte Mutter probte oder Auftritte hatte. Auf große Tourneen aber durfte der Knabe sie regelmäßig begleiten. So kam er bis nach Rio de Janeiro und sprach mit zehn Jahren fünf Sprachen.

 

Als für den jungen Hermann langsam das Thema Berufswahl an stand und der Vater „Eiergroßhändler in Paris“ vorschlug, was sicher nicht ernst gemeint gewesen sein kann, fand Urban in dem prominenten Maler Wilhelm Leibl einen engagierten Befürworter für seinen Wunschberuf, Kunstmaler. Ein Stillleben mit einem Maßkrug – wie schön dass wir es in der Ausstellung haben! – des Achtzehnjährigen hatte Leibl vom Talent des Jungen überzeugt und er ebnete ihm den Weg zur Aufnahme an die Münchner Akademie.

 

Hier studierte Urban bei Karl Raupp, dem Chiemseemaler, Johann Caspar Herterich, dem Historien und Genremaler, und Wilhelm von Diez, einem Hauptvertreter der Münchner Schule.

 

Der Studienbetrieb an der Münchner Akademie muss damals recht locker gewesen sein, denn Urban überliefert: „Die Akademie wurde uns ganz zur Nebensache. Radfahren, leidenschaftlich Schlittschuhlaufen, nebst Bergsteigen wurde eifrigst betrieben.“ Apropos Radfahren. Urban war ein begeisterter Hochradfahrer. Wegen einer Wette überquerte er 1891 die Alpen und fuhr in vier heißen Julitagen von Garmisch nach Genua!

 

Zu einem eigenen Stil konnte Urban erst gelangen, als er in zähem Ringen den Symbolismus des Arnold Böcklin, der jahrelang sein großes Vorbild war, hinter sich gelassen hatte.

Nun war Urban offen für eigene Eindrücke, eine eigene Sichtweise und eine eigene Handschrift. Es war vor allem eine Reise im Jahre 1905 auf die Insel Ponza vor der Küste Latiums. Jetzt erst, obwohl er seit Studententagen regelmäßig in Italien auf Malreisen unterwegs war, sah er das Licht des Südens. Nun erst konnten lichte Landschaften entstehen, konnten Farben wie ein helles Grün, ein zartes Gelb und ein flirrendes Weiß die Palette bestimmen.

Die Eindrücke einer Ägyptenreise, kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs unternommen, vertieften ein weites Mal die Hereinnahme des Lichtes in seine Landschaften und Stillleben.

 

Im „Weißen Pferd“ klingt noch etwas von Böcklings Mythendunkel an. Wie ganz anders dagegen die „Strohschober bei Aibling“ oder die „Flachsstiefel“. Bayern im Licht des Südens. Erfüllung einer ewigen Sehnsucht. Nun hatte Urban ein offenes Auge für die Landschaft. Nicht von ungefähr wählte er wie der große Impressionist Claude Monet Heuhaufen als Motiv. Die Baumstämme, grafisch streng und nur im Ausschnitt genommen, verbinden Urban mit weiteren bedeutenden Landschaftsmalern wie dem gleichaltrigen Walter Leistikow oder Isaak Lewitan von den Russischen Realisten.

 

Mit Erstaunen kann man in der Ausstellung noch einen ganz anderen Urban entdecken. Urban, den Expressionisten. 1934 malte er eine grellbunte, kräftig rote Landschaft. Und man versteht nun endgültig, die Objekte, die Landschaften, die Bäume, die Blumen, es ging eigentlich nie um sie. Das eigentliche Thema waren immer nur Farbe und Form, festgemacht eben an Landschaften, Bäumen und Blumen.

 

Bereits als Student hatte Urban erkannt, dass „der Malgrund das Schicksal des Bildes“ sei, wie er sich ausdrückte. Der damals vielfach verwendete Ölgrund veränderte den Farbauftrag im Laufe der Zeit und zerstörte ihn von unten heraus. Da die industriell hergestellten Farben oftmals schnell alterten, nachdunkelten und Risse bildeten, wollte er die Rezepturen der alten Meister experimentell neu entdecken.

 

In seine fast sechzig-jährigen Forschungstätigkeit entwickelte Urban 15.000 Rezeptversuche aus denen 12.000 Rezepturen für Malgründe hervorgingen und 60.000 Farbaufstriche auf Bildtafeln, Leinwänden und Glas. Urban war damit maßgeblich an der Entwicklung der modernen Materialforschung beteiligt. Seine Forschungen hielt er in genauen Notizen und Materialproben fest. Von 1936 bis 1947 schrieb er an seinem Manuskript „Der Malgrund – Das Schicksal des Bildes“.

 

Wenn man Urbans Bilder auf der Rückseite betrachtet, was man als Besucher einer Ausstellung nun leider nicht machen kann, fallen einem sofort die umfangreichen Beschriftungen und Zahlen auf. Wie ein akribischer Wissenschaftler hat Urban hier die Entstehungszeit, die verwendeten Malgründe und Farben sowie eigene, später unternommene Restaurierungen vermerkt. Damit Korrespondieren Hefte, die er ab Studienzeiten führte und wo er wie der große Barockmaler Claude Lorrain jedes Werk mit einer kleinen Skizze, einer fortlaufenden Nummer und allen Kernangaben verzeichnete.

 

Der von Urban Entwickelte U-Leimgrund, der die Haltbarkeit und Reflexionskraft der Farben erhöht, wurde von vielen Künstlern übernommen. Auch die antike Technik der Enkaustik, also der Wachsmalerei, wurde von Urban wiederentdeckt und neu belebt.

 

1908 ernannte ihn Prinzregent Luitpold wegen seiner Verdienste um Maltechnik und Material zum Professor. Einen Lehrauftrag lehnte Urban jedoch ab, zum Unterrichten hatte er keine Zeit, er musste experimentieren.

 

Seine besten Jahre hatte Urban in der Prinzregentenzeit, schnell konnte er durch Ausstellungen auf sich aufmerksam machen. Bald folgten Preise, Auszeichnungen und Ankäufe. Die Wittelsbacher, allen voran Prinzregent Luitpold, schätzten ihn und sein Werk, suchten wie so viele der Münchner Prominenz sein Atelier auf.

 

Urban war ein geselliger Mensch, er verkehrte als schillernde Figur in den Münchner Künstlerkreisen, war Mitglied in so ziemlich allen Künstlervereinigungen, hatte als Jurymitglied ein gewichtiges Wort im Ausstellungbetrieb mitzureden, pflegte Freundschaften, schätzte den gegenseitigen Austausch, malte gemeinsam mit Freunden in Neubeuern, Seeon oder auf einer der zahlreichen Italienreisen.

 

Sehr schön fügt sich, dass die nächste Ausstellung in der Städtischen Galerie dem Kunstsammler Max Bram und seinem Wirken gewidmet ist. Es war nämlich Hermann Urban, der den in Rosenheim aufgewachsenen und in München als Oberlehrer tätigen Sammler in den entscheidenden Jahren bei seinen Ankäufen beriet.

Und so war es auch Hermann Urban, der 1913 die erste Ausstellung der Sammlung Bram im damaligen Ausstellungsgebäude des Kunstvereins Rosenheim kuratierte, in der profanierten und umgebauten Michaelskapelle neben St. Nikolaus.

Als Atelier und Wohnung in München 1944 durch Bomben zerstört, zahlreiche Bilder und die umfangreiche Materialsammlung vernichtet waren, zog Urban wieder nach Bad Aibling ins großelterliche Haus.

Mit Sepp Hilz, Hans Müller-Schnuttenbach, Leo von Welden und Brynolf Wennerberg gründete er im Café Rupp einen Künstlerstammtisch. Der Kreis schloss sich.

 

1948 starb Hermann Urban in Bad Aibling im Alter von nicht ganz 82 Jahren. Sein Großneffe Aziz Raza pflegte sein Erbe weiter.

 

(Eröffnungsrede Dr. Evelyn Frick für die Ausstellung von der Inselgalerie Gailer GbR in der Städtischen Galerie Rosenheim 2012)

Meine Frau mit Muschel

Meine Frau mit Muschel ⋅ 1898

U-Harzfarbe auf Leinwand ⋅ 53 x 39 cm

Mühlschuß bei Erl

Mühlschuß bei Erl ⋅ 1911

U-Harzfarbe auf Leinwand ⋅ 75 x 88 cm

Strohschober bei Aibling

Strohschober bei Aibling ⋅ 1936

U-Harzfarbe auf Leinwand ⋅ 63 x 53 cm

Blick zum Breitenstein

Blick zum Breitenstein ⋅ 1940

U-Harzfabe auf Leinwand ⋅ 53 x 63 cm

Nemisee

Nemisee ⋅ 1913

U-Harzfarbe auf Leinwand ⋅ 135 x 114 cm

Römische Ruinen mit blühendem Busch

Römische Ruinen mit blühendem Busch ⋅ 1910

U-Harzfarbe auf Leinwand ⋅ 75 x 63 cm

Friedhofslapelle Flintsbach

Friedhofskapelle Flintsbach ⋅ 1925

Wachsenkaustik auf Leinwand ⋅ 88 x 75 cm

Sonnenblumen

Sonnenblumen ⋅ 1924

Wachsenkaustik auf Leinwand ⋅ 87 x 120 cm

Konkaträgerin

Konkaträgerin ⋅ 1904

Öl auf Leinwand ⋅ 75 x 88 cm

Blaue türen auf Ponza

Blaue Türen auf Ponza ⋅ 1910

U-Harzfarbe auf Leinwand ⋅ 75 x 63 cm

Die blauen Türen auf Ponza

Die blauen Türen auf Ponza ⋅ 1911

U-Harzfarbe auf Leinwand ⋅ 47 x 43 cm

Alte Weide

Alte Weide ⋅ 1938

Harzfarbe auf Leinwand ⋅ 63 x 75 cm

Willibaldsburg in Eichstätt

Willibaldsburg in Eichstätt ⋅ 1920

U-Harzfarbe auf Karton ⋅ 63 x 51 cm

Nach dem Regen

Nach dem Regen ⋅ 1934

Enkaustik auf Leinwand ⋅ 88 x 75 cm

Flachsstiefel

Flachsstiefel ⋅ 1917

U-Harzfarbe auf Leinwand ⋅ 53 x 63